Les Reines Prochaines

Heute Bräute

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1993

Freilicht Performance, LRP u.a. in verschiedenen CH- Städten aufgeführt

Heute Bräute
Die tibetanische Grossmilchkuh wird verladen
Eine Phantastische Freilichtperformance, im Sommer 1993 in aufgeführt in Zug, Zürich, Basel, Bern, La Chaux de Fons, Biel, 48 m. Diese Arbeit wurde mit sechs weiteren KünstlerInnen aus den Bereichen Theater, Tanz, Zirkus erarbeitet und gespielt. Mit dabei von Reines Prochaines, Fränzi Madörin, Muda Mathis, Gabi Streiff, Sus Zwick

Bei dieser Arbeit sind wir von einem fiktiven Thema ausgegangen. Wir nehmen Hochzeit und jedeR spinnt eigenen Geschichten rund um diese Ausgangssituation.

Eine Braut sitzt am Harmonium auf der Bühne. Allein. Das Publikum sitzt schön angeordnet in einen Kreis davor. Ein riesen Gefährt taucht auf. Eine weitere Braut stösst es mühselig um das Publikum, bis nach hinten in die Mitte, wo die Braut das eiserne Gefährt plaziert. Der Harmoniumspieler schreitet mit seiner Posaune auf das Ding zu, die Türe öffnet sich, und sieben Bräute verlassen, dem Posaunisten folgend, das Gefährt. Es kann also losgehen. Die Bräute sind das Orchester ( 2 Saxophone, 2 Klarinetten, 1 Posaune, 1 Horn, 1 Handorgel, 1 Trompete, 1 Bass, 1 Schlagzeug, 1 Harmonium) und das bläst die schmetternde Ouvertüre, bis sie von einer Textpassage , die aus dem Eisernen Gefährt kommt, abgelöst wird. Die Bräute sind die ArtistInnen, sie ziehen zu dramatischer Musik eine Stange auf, und Handtaschen, und zuletzt sich selber. Ein Wagen kommt. Gezogen rund um das Publikum, das zum ersten mal etwas nass wird, denn es spritzt aus den Eimern auf dem Wagen. Der Wagen wird später wiederkommen, einmal mit einer singenden Witwe, die spritzt auch, wenn sie stampft in ihrem Zuber und mitten im Kreis des Publikums vom würgenden Glück berichtet. Und einmal kommt er mit einer Feuerbrunst, so dass dem Publikum zum ersten mal heiss wird. Später wird ihm noch heisser, wenn es von brennenden Bräuten umzingelt wird. Es passieren auch immer wieder Morde. Eine Dame mit rollendem Hündlein bringt ihren Verehrer immer wieder um die Ecke. Sie erwürgt ihn, sie ertränkt ihn, sie ersticht ihn und sie schiesst ihn ab. Und wenn die Bräute den Handtaschen Tanz gemeinsam getanzt haben, die grosse Träne besungen und geplatzt ist, der Fluchtweg allen deutlich gemacht worden ist, die Hochzeitsnacht getanzt, und beim Mahl die Welt zur Seite gekippt worden ist, dann steigt die rote Dame würdevoll auf die Leiter, lässt ihr riesiges Kleid fallen und beschwört den Himmel bis das Gewitter einsetzt und dann in die grosse Stille danach aus dem Gefährt ein letztes mal die Blechige Stimme ertönt.

Als es endlich wieder Tag wurde und wir uns minutenlang in den Armen hielten, wussten wir endlich warum wir das alles durchstehen mussten. P.S. Böse Stimmen behaupten, wir hätten auch viel früher darauf kommen können.

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